FeuWiNiTra gestartet - Feuerwiderstand von nichttragendem Lehmsteinmauerwerk
Wie lange hält eine Lehmsteinwand dem Feuer stand?
Nach mehreren Jahren intensiver Forschung zum Feuerwiderstand von tragendem Lehmsteinmauerwerk setzt die MFPA Weimar ihre Forschungsaktivitäten im Bereich des baulichen Brandschutzes von Lehmkonstruktionen konsequent fort. Im neuen Forschungsprojekt „FeuWiNiTra – Feuerwiderstand von nichttragendem Lehmsteinmauerwerk“ stehen nun nichttragende Lehmsteinwände im Mittelpunkt. Das Forschungsvorhaben wird von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) gefördert.
Brandschutz als wichtige Voraussetzung für den modernen Lehmbau
Lehm überzeugt durch seine hervorragenden ökologischen Eigenschaften und gewinnt als nachhaltiger und ressourcenschonender Baustoff zunehmend an Bedeutung. Für eine breitere Anwendung im modernen Hochbau sind jedoch belastbare Verwendbarkeitsnachweise und wissenschaftlich fundierte Bemessungsgrundlagen erforderlich.
Für nichttragende Trennwände aus Lehmsteinmauerwerk fehlen bislang systematische Untersuchungen und ausreichende Grundlagen für eine allgemeine brandschutztechnische Bemessung und Klassifizierung. Genau hier setzt das Forschungsprojekt FeuWiNiTra an.
Nichttragende Wände unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Anforderungen im Brandfall wesentlich von tragenden Konstruktionen. Während bei tragenden Wänden zusätzlich die Standsicherheit unter Brandbeanspruchung gewährleistet werden muss, stehen bei nichttragenden Trennwänden insbesondere Raumabschluss und Wärmedämmung im Fokus.
Die Erkenntnisse aus dem bisherigen Forschungsprojekt der MFPA zum Feuerwiderstand von tragendem Lehmsteinmauerwerk bilden dafür eine wichtige wissenschaftliche Grundlage. Aufgrund der unterschiedlichen Anforderungen und Randbedingungen können die Ergebnisse jedoch nicht unmittelbar auf nichttragende Konstruktionen übertragen werden.
Vom Materialverhalten bis zum großmaßstäblichen Brandversuch
Im Rahmen von FeuWiNiTra untersucht das Forschungsteam repräsentative Wandkonstruktionen aus unterschiedlichen Lehmstein-, Lehmmörtel- und Lehmputzsystemen in großmaßstäblichen Feuerwiderstandsversuchen.
Ergänzend werden die Materialeigenschaften unter Temperatureinwirkung analysiert. Dabei stehen unter anderem der Feuchtehaushalt, die Porenstruktur und thermische Verformungen sowie deren Einfluss auf das Verhalten der Wandkonstruktionen unter Brandbeanspruchung im Mittelpunkt.
Durch die Verbindung von Materialcharakterisierung und Bauteilversuchen sollen die maßgebenden Einflussgrößen identifiziert und wissenschaftlich bewertet werden.
Wissenschaftliche Grundlagen für die sichere Anwendung von Lehm
Ziel des Forschungsprojekts ist es, wissenschaftlich fundierte Bemessungs- und Bewertungsgrundlagen für nichttragende Lehmsteinwände zu schaffen. Die Ergebnisse sollen dazu beitragen, bestehende Nachweislücken im Brandschutz zu schließen und damit die Voraussetzungen für einen breiteren und zugleich sicheren Einsatz von Lehm im modernen Hochbau zu verbessern.
Mit FeuWiNiTra setzt die MFPA Weimar zugleich die Forschungsarbeit ihres Clay Expert Center (ClayX) fort. Im ClayX werden Kompetenzen und langjährige Erfahrungen rund um Lehmbau, Materialcharakterisierung, Bauteilprüfung und Brandschutz gebündelt. Ziel ist es, durch anwendungsorientierte Forschung und Prüfung die wissenschaftlichen und technischen Voraussetzungen für eine sichere, nachhaltige und praxisgerechte Anwendung von Lehmbaustoffen weiterzuentwickeln.
Mit dem neuen Forschungsprojekt entsteht damit ein weiterer Baustein, um das Potenzial von Lehm als nachhaltigen Baustoff für das Bauen der Zukunft nutzbar zu machen.
Wir bedanken uns bei der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) für die Förderung des Forschungsvorhabens.
Projektleitung: Claudia Zauke und Anne Tretau
Projektmitarbeit: Vincent Heurtel
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